Eine Fahrradreise mit Kindern? "Warum nicht?". Nachdem wir, Lea, Gregor und unsere Tochter Ronja aus Berlin, 2 Jahre lang vom einen Ende Amerikas bis zum anderen Ende radelten, folgt nun Teil 2 der Reise. Mit neuem Nachwuchs Mateo erkunden wir ab April 2016 den Süd-Westen Europas.
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A bicycle trip with a child? "Why not?". After we, Lea, Gregor and our daughter Ronja from Berlin cycled from one end of America to the other, the second big adventure is following. With our new family member Mateo we will explore the south west of Europa, starting in April.


Sonntag, 18. November 2012

6 months


Wenn es nach der Meinung vieler unserer Weg(rand)gefährten ginge, werden wir morgen erschossen oder zumindest unserer Eingeweide entledigt um Drogen über die Grenze zwischen den USA und Mexiko zu schmuggeln. Morgen ist es soweit, das Visum für die Vereinigten Staaten von Nordamerika läuft aus und wir laufen über, verlassen die mittlerweile allzu vertraute Umgebung und stürzen uns in eine neue Welt. Mexiko wir kommen! Zum Glück haben wir kein Fernsehen in unserem Zelt, ansonsten hätten wir uns wohl allzu einfach anstecken lassen von der Angst vor Mexiko. Angst haben hier eigentlich nur die Amerikaner die noch nie in Mexiko waren und/oder zu viel Fernsehen gucken. Die Berichterstattung muss wohl sehr reisserisch sein. 
Wie dem auch sei, wir haben die Bären in Alaska und die Myriaden von Mücken in British Columbia überlebt und jetzt fahren wir nach Mexiko. Wir freuen uns sehr auf den Wechsel.
Zuvor aber ein kleiner Rückblick auf die letzten Meilen an der amerikanischen Pazifikküste.
Wir wissen nicht ob es an Flo lag, aber seit Portland haben wir keine spontanen Hilfsangebote von Fremden angeboten bekommen. Der Bann ist gebrochen. Sylvia aus dem Visitorcenter in Monterey hat uns vor einer sehr nassen Nacht bewahrt. Es war zwar, zumindest für Lea, eine recht schwindelige Angelegenheit, aber das Angebot auf einem Segelschiff zu schlafen, konnten wir nicht so einfahch ausschlagen. Jedenfalls wissen wir jetzt, das wir die Darien Gap (den Isthmus von Panama) nicht auf einem Boot umschippern werden. Wir danken Sylvia für das Deck übern Kopf und die Freikarten für das Monterey Aquarium.
Ronja bescherte uns unterdessen schlaflose Nächte. Zahn 8 und 9 haben sich in der letzte Woche vorgeschoben und zu einigem Missmut bei Ronja gesorgt. Die Arme weinte in einer Tour und nichts wollte helfen. Bei einer Vormittagsetappe, alle äusseren Faktoren waren perfekt, frische Windel, grosses Haferflockenfrühstück, bereit für den Mittagsschlaf, liess sie sich nicht in den Wagen setzen. Sie streikte und streikte. Wir dachten, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen sei an dem wir beginnen müssen ihrem Willen zu formen. Wir dachten sie streikt und weint aus Trotz. Leider mussten wir gerade an diesem Tag 40 Meilen radeln und Gregor machte sich erstmal ernsthafte Sorgen uber den weiteren Verlauf unserer Fahrradreise. Ist es vorbei? Müssen wir ab jetzt den Bus nehmen und die Fahrräder nach Hause schicken? Es war zum Glück nur ein neuer Backenzahn und am nächsten Tag war alles wieder in heiler Ordnung.
Die Fahrt an der Küste war wieder spektakulär. Die Strasse wurde von irgendeinem genialen Ingeneur direkt in den Felsen getrieben. So schlängelte sich dann der Asphlatstreifen immer steil über der Wasserkante entlang und rechts neben uns lag das offene Meer. Immer wieder sahen wir Kolonien von allerlei Seegetier, Seelöwen, Robben, Pelikane und derlei Exoten. Ab und an gab es auch Wale, Grauwale, weit draußen auf dem Meer. Leider kann man immer nur die Wasserfontäne sehen, alles andere verschmelzt mit der Farbe des Wassers. Die Grauwale machen in etwa die gleiche Reise wie wir. Im Sommer starten sie in Alaska ihre Reise nach Süden um dann in der Baja California ihre Kinder zur Welt zu bringen (Nein, Lea ist nicht zum zweiten Mal schwanger).
In Santa Barbara war dann unsere Radeltour in Nordamerika erstmal zu Ende. Wegen dem auslaufenden Visum mussten wir unbedingt Strecke machen.
Ergo Zug fahren, was für ein Spaß. Für 80$ gab es eine fünfstündige Fahrt, keine extra Gebühren für das Fahrrad, Wifi im Zug und die ganze Zeit direkt am Wasser entlang. Dagegen sieht die Deutsche Bahn sehr sehr blass aus. Obendrauf hatten wir noch einen sehr netten (wie Lea findet süßen) Schaffner, der uns allerlei nützliche Radfahrtipps für die Baja California gab und uns unserer Sorgen und Ängste entledigte.
Die letzten drei Tage verbringen wir bei unseren netten Warmshower Gastgebern Tertia and Dan mit ihrer Tochter Eislin (Ronjas Alter). Es ist so als hätte sich die Zeit um ein Jahr zurückgedreht. Die drei bereiten sich gerade auf ihre erste Radtour vor und wir können unsere Erfahrungen mit ihnen teilen. 
Abschied nehmen. Abschied von Nordamerika, von unserer temporären neuen Heimat, dem Vertrauten, den tollen Campingplätzen auf denen man immer die Zeche prellen kann ohne das es jemanden stört, der Warmshowerdichte und den exentrischen amerikanischen Radtouristen.
Wir haben sehr gute Menschen kennengelernt und die meisten Vorurteile die wir in Deutschland gerne gegenüber Nordamerikanern hüten haben wir aus ihrer Schublade entfernen müssen. 
Wir haben sicherlich nicht den "Durchschnittsamerikaner kennergelernt". Unsere Begegnungen kamen immer durch unsere Fahrräder zustande.
Am Ende haben wir noch ein Anliegen in eigener Sache. Ronja hat scheinbar die Plattfüsse von Gregor geerbt. Kann uns irgendwer von euch einen fundierten Rat geben wie wir am besten verfahren sollten?

6786,06 km
439 h
8 Platten (7 Gregor/1 Lea)
1 Kettenriss (Gregor)
1 Speichenbruch (Chariot)

26 Regentage
42 Wolkentage
112 Sonnige Tage

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If it were up to the opinion of many people on our way, we are being shot tomorrow or at least get rid of our guts to smuggle drugs across the border between the U.S. and Mexico. Tomorrow our visa for the United States of America is expiring and we are leaving the now-too-familiar surroundings and jump into a new world. Mexico here we come! Luckily we don't have television in our tent, otherwise we would probably be infected by the fear of Mexico. Anxious actually are only the Americans who have never been to Mexico and / or are watching too much television. The Tv reports must be very lurid.
Anyway, we  survived the bears in Alaska and the million of mosquitoes in British Columbia and now we enter Mexico. We are looking forward to the change.
But first a brief look back on the last few miles on the pacific coast.
We do not know whether it was because of Flo, but since Portland we didn't get any spontaneous offers or invitations by strangers. The ban was broken anyway. Sylvia from the Visitor Center in Monterey saved us from a very rainy night. Although it was, at least for Lea, a pretty dizzy issue, we could not turn down th offer to sleep in a sailing boat. Anyway, now we know that we will not sail the Darien Gap (the Isthmus of Panama) on a boat. We thank Sylvia for the roof over our head and the free tickets to the Monterey aquarium. 
Meanwhile Ronja brought us sleepless nights. Teeth 8 and 9 have shown up in the last week and caused  displeasure with Ronja. Poor little was crying and nothing seemed to help. That morning all external factors were perfect, fresh diaper, large breakfast, ready for a nap, but she didn't want to sit in her trailer. She refused. We thought the the time has come where we have to begin to "shape" her will. We thought she was refusing because of defiance. Unfortunately we had to ride 40 miles that day and Gregor had serious concerns about the future course of our bike trip. Is it over now? Do we have to take the bus and send the bikes home? Luckily it was the molar and the next day everything was good again.
The ride along the coast was again spectacular. Some ingenious ingeneur bulit the road directly into the rocks- right besides the open sea. Again, we saw all kinds of sea animals, sea lions, seals, pelicans and such exotics. Now and then there were whales, gray whales, far out in the ocean. The gray whales make about the same journey as we do. In the summer they start their journey to Alaska and then south into the Baja California to raise their children.
In Santa Barbara then, we finished our North America trip. Because of the expiring visas we had to make progess- via train. 
A five hour long ride for $ 80, no extra fees for the bike, wifi on the train and driving along the water- the German railways seem to loose in contrast. On top we had a very nice (Lea's opinion cute) conductor who gave us a lot of useful tips for cycling the Baja California. 
The last three days we spend with our nice warmshower hosts Tertia and Dan with her daughter Eislin (Ronjas age). It seems like the time would have turned back one year. The three are preparing for their first tour and we can share our experience with them.
Goodbye. Farewell to North America, of our temporarly new home, the confidant, the great camping sites and lots of warmshower people who offer a showet, a bed and more and a lot of excentric american cyclists.
We have met very good people, and most of the prejudices we like to have in Germany we have to remove. We certainly have not  met the  "average American". Our meetings were always concluded with our bikes.
In the end we still have a private concern. Ronja has apparently inherited the Gregor's flatfeet. Can anyone of you give us an in-depth advice on how we should best proceed?

Kommentare:

  1. Liebe Pedaleros,
    macht Euch wegen Ronjas Füße bitte noch keine Sorgen. Solange sie oft barfuß im Sand läuft und ansonsten gut ausprofilierte Schuhe/Sandalen trägt, macht Ihr es bestens.
    Schaut Euch vielleicht mal dieses 10-minütige Video auf youtube an: www.youtube.com/watch?v=TTeqRx_Hva4.
    Seid herzlich umarmt von der männlichen Seite der "Inkarnation der Liebe",
    ich bin in Gedanken bei Euch.
    Bernd

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  2. Meine Freundin und ich sind im Januar von Las Vegas zur Suedspitze der Baja geradelt und haben in USA die gleichen Horrorgeschichten gehoert. Vergesst die am Besten sofort wieder. Die Baja ist klasse!

    Habt Ihr schon eine Idee wo ihr lang wollt?

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  3. Hey Travel Nerd,
    klingt gut, wir sind momentan in Ensenada und uns gefaellt es jetzt schon sehr gut. Nur unser Spanisch muss noch geschliffen werden. Die Sprachumstellung ist gross.
    Wir fahren die Mex 1 runter bis La Paz schippern dann ueber nach Mazatlan. Von dort aus dann Richtung Mexico Stadt...

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