Eine Fahrradreise mit Kindern? "Warum nicht?". Nachdem wir, Lea, Gregor und unsere Tochter Ronja aus Berlin, 2 Jahre lang vom einen Ende Amerikas bis zum anderen Ende radelten, folgt nun Teil 2 der Reise. Mit neuem Nachwuchs Mateo erkunden wir ab April 2016 den Süd-Westen Europas.
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A bicycle trip with a child? "Why not?". After we, Lea, Gregor and our daughter Ronja from Berlin cycled from one end of America to the other, the second big adventure is following. With our new family member Mateo we will explore the south west of Europa, starting in April.


Montag, 20. Mai 2013

Panama and a retrospection to one year family travel


Normalerweise vergehen die Jahre rasant und kaum ist eines vorüber stellt man sich die Frage wie es schon wieder so schnell und fast unbemerkt hat vorüber gehen können. Der liebe Alltag und tradierte Routinen verflüssigen die Wahrnehmung und als wäre es ein Fingerschnipsen ist schon wieder eines vorüber. Und schon wieder. Und schon wieder. Und schon wieder…

Wir feiern unseren ersten Geburtstag. 365 Tage sind vergangen seit wir Berlin verlassen haben. 365 Tage angefüllt mit Leben und Erlebtem. Ja, wir leben. Vielleicht zum ersten Mal in unserem Leben leben wir tatsächlich richtig. Jeder Tag ist anders, jeder speziell und voller Erinnerungen die das eine Jahr in dem wir unterwegs waren ausdehnen als wäre es ein ganzes Leben. Es war natürlich nicht immer einfach, aber auch die anstrengenden Tage erscheinen retrospektiv als wertvolle Erfahrung.

Wertvoll war auch die Zeit die wir miteinander verbringen konnten; keine Arbeit, kein Kindergarten, nur wir 3 und das 24/7. Jeden Augenblick von Ronjas Entwicklung zu erleben, immer dabei zu sein wenn dieser kleine Mensch zu einem etwas größeren kleinen Menschen wird. Als Familie zu einer Einheit zu verschmelzen und all diese großartigen Augenblicke gemeinsam zu erleben, wiegt die Strapazen und Mühen auf, die das Radreisen mit sich bringt.

Am Anfang unserer Reise war alles nur ein Test. Wir hatten nur wenig Erfahrung im Radreisen und keine Ahnung auf was wir uns da einlassen. Es klingt immer noch ein wenig wie ein Schnapsidee: "Wir machen mit unserem Baby eine Fahrradreise von Alaska nach Feuerland". Nach einem Jahr ist aus dieser fixen Idee ein Leben geworden. Dass es möglich ist haben wir nun unter Beweis gestellt. Es ist auf jeden Fall eine sehr intensive und interessante Art des Reisens. Wir sind nahe an den Menschen und natürlich, dass lässt sich nicht vermeiden, immer nahe an der Natur.

Wir wurden in diesem Jahr mit einigen kniffligen Situationen konfrontiert. Doch immer dann, wenn es gerade aussah als würde sich eine Gewitterwolke gigantischen Ausmaßes gerade dazu entschlossen haben sich über unseren unschuldigen Köpfen auszuschütten, kam einer dieser Augenblicke die unvergesslich bleiben: eine helfende Hand, eine geöffnete Tür, ein Teller mit Essen. Die Solidarität der Menschen ist unabhängig vom Land, von den finanziellen Möglichkeiten und bedarf keiner tiefgehenden Fremdsprachenkenntnisse. Erst vor ein paar Tagen haben wir im Laufe eines Tages so viel Essen (Obst und Gemüse) geschenkt bekommen das es für einen ganzen Tag gereicht hat (Leider waren unsere Tasche gerade frisch aufgefüllt mit Essen und damit dann richtig schön schwer).

Ronja hat nun mehr als die Hälfte ihres Lebens als Fahrradnomadin verbracht. Sie hat auf der Reise laufen gelernt, all ihre Zähne bekommen, hat sich im Gewimmel dreier Sprachen die Wörter ausgesucht die für sie am einfachsten auszusprechen sind, ist durch Wälder und Wüsten getapselt, hat gelernt sich sofort auf ihre sich ständig ändernde Umgebung und Spielgefährten sicher einzustellen, hat in kalten Bergflüssen gebadet und hat auch sonst alles mitgemacht was wir selber auch gemacht haben; sie ist ein richtig glücklicher kleiner Mensch.
Damit hat unsere Reise aber nur am Rande etwas zu tun, wahrscheinlich machen wir als Eltern einfach nur alles richtig.

Jetzt sind wir in Panama Stadt und erholen uns von 2 harten Monaten auf der Straße. Gerade einmal fünf Ruhetage haben wir uns gegönnt und wir sind wieder einmal so richtig schön ausgebrannt angekommen. Panama ist wohl für jeden die Amerikas Bereisenden ein besonderes Land. Es ist die Brücke zwischen Nord- und Südamerika und egal wo einen die Reise in einem der Schwesterkontinente hinverschlägt in Panama gibt es nur einen Weg: die Panamericana. Entlang dieser Strecke trafen wir in den letzten 2 Wochen, nach monatelanger Abstinenz, viele Radler und anderes Reisevolk. Hier kreuzen sich die Wege und mit gespitzten Ohren und funkelnden Augen hörten wir uns Geschichten aus Südamerika an.

Der Norden Panamas ist sehr hübsch und da sich dort die Panamericana durch einen relativ flachen, aber mit steilen Steigungen durchzogenen Gebirgszug windet, gibt es viel fürs Auge zu sehen und einiges für die Beine zu strampeln. Die Menschen, die in den Bergen der Provnz Chiriquí leben, sind zu einem großen Teil Indigene, also Nachfahren der Urbevölkerung von Panama. Die Frauen sind in leuchtend bunte, lange Kleider gekleidet und das panamesische Kunsthandwerk kommt fast ausschließlich aus dieser Region. Wir genossen die nächtliche Kühle in den Bergen und am Morgen, wenn sich der Nebel noch fest an den Flanken der Berge hielt, radelten wir durch den mystischen Regenwald. In dieser bevölkerungsarmen Region gibt es leider nur wenige Feuerwachen und daher griffen wir auf eine schon fast vergessene Camping Alternative zurück: das Gotteshaus. Die Infrastruktur der katholischen Kirche ist einfach unschlagbar. Egal ob man glaubt oder nicht, die Kirchentür steht allen offen, die Schutz und Obdach suchen.

Nach den Bergen kam dann die Ernüchterung. Hier wird die Panamericana zu einer zweispurigen Autobahn und der Verkehr nimmt mit abnehmender Entfernung zu Panama Stadt immer mehr zu. Die Orte die wir passierten waren wenig markant, aber dafür umso mehr US-amerikansicher Prägung. Eine Mall und Mc. Donald's und Co. reihen siche entlang der Durchgangsstraße auf und meistens bekamen wir von den Orten nicht vielmehr zu sehen als das. 
Insgesamt waren die letzten 250km zwischen Santiago und Panama Stadt einfach nur ein Stückchen Fleißarbeit. Dieser Abschnitt wird jedoch dadurch in Erinnerung bleiben, da es Ronja in dieser Woche geschafft hat tagsüber trocken zu bleiben. Die kleine Lady geht nun selbstständig Pipi machen und ist mächtig stolz darauf. Wir sind auch stolz, Gregor freut sich auf mehr Platz in der Fahrradtasche und unsere Reisekasse wird etwas geschont.

Und dann auf einmal waren wir da; vor uns der Stahlkoloss der 1,6 km langen 'puente de las americas' (Brücke der Amerikas) und hinter uns ein ganzer Kontinent. Eigentlich ist es nur eine Brücke, aber vor dem Bauwerk zu stehen das den Panamakanal überspannt und vor lauter Symbolcharakter wohl nicht trächtiger wird sein können, war für uns ein ganz besonderer Augenblick der Reise. Geographisch gesehen macht es wahrscheinlich keinen Sinn den Kanal als Grenze zwischen Nord- und Südamerika zu betrachten. Für uns und für viele andere vor uns endet hier jedoch die Reise in einem Teil der Amerikas und alles was danach kommt ist eben Südamerika. Im bisher nur von sehr hartgesottenen Reisenden bezwungenen "Hindernis von Darién" (Tapón del Darién), einem geschützten Regenwald und Rückzugsgebiet kolumbianischer Guerillagruppen, endet die Panamericana. Es fehlen 110km Strasse zwischen Kolumbien und Panama. Daher nehmen die meisten Radler ab Panama einen sechstägigen Segeltörn in kauf und setzen ihre Reise in Cartagena (Kolumbien) fort. Wir haben uns für die billigere und weniger Erbrechen vorrufende Variante entschieden: wir fliegen.

Panama Stadt hingegen ist voller Gegensätze. Arm und Reich wohnen dicht beieinander, es gibt einen historischen Stadtkern, verfallende Armenquatiere und einen Wald aus Wolkenkratzern. So wähnt man sich in der einen Ecke in New York, in einer anderen Ecke schmuddelt es vor sich hin wie in einer typischen zentralamerikanischen Stadt und im historischen Stadtkern fühlten wir uns gleich ganz fehl am Platz: Italien. Natürlich waren wir am Kanal und haben uns eine dieser riesen Schleusen angesehen. Schleuse ist Schleuse und man muss schon ein Technikfreak sein um beim Anblick eines dieser Dinger in Begeisterung zu geraten. Beeindruckend waren jedoch die riesigen Containerschiffe die damit hoch- und runtergehoben wurden. So sind wir nun am Ende des ersten Teils unserer Reise. Wir entspannen im Hostel Aleman und genießen das deutsche Frühstück das es hier gibt. Wir verbringen die letzten Tage in Panama mit unseren Freunden aus Kanada (Grand Forks) Randy und Cheryl und tauschen Erinnnerungen aus den letzten Monaten aus. Gerade haben wir uns einmal wieder die Fotos aus Alaska angesehen. Sind das wirklich wir auf diesen Bildern? Waren wir wirklich schon einmal in Alaska? 

Hier ein neues Video von unseren Eindrücken und Erlebnissen aus Zentralamerika: https://vimeo.com/66556478
(mehr neue Fotos auf Picasa)

Ein Jahr mit dem Rad unterwegs zwischen Anchorage und Panama Stadt in Zahlen und Fakten:


In unserem kleinen Logbuch haben wir nicht nur die Kilometer, Stunden und Platten täglich eingetragen. Es finden sich dort auch Einträge darüber wie wir geschlafen haben und wie das Wetter an einem jener Tage war:

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Normally, the years pass by rapidly and one asks himself how it could pass that fast. The perceptions of our loved daily routines become liquid and as if it would be a finger snap one next year is over already.

We celebrate our first birthday. 365 days have passed since we left Berlin. 365 days filled with life and experiences. Yes, we live. Perhaps for the first time in our lives we actually live. Every day is different, every day was special and full of memories that the last year seems to be quite a lifetime. 
Of course it was not always easy, but retrospectively also the stressfull days appear as a valuable experience. 

Valuable was also the time that we could spend together, no work, no kindergarten, only us 3 and that 24 / 7. To experience Ronja's development and to watch how a small person is growing to a little larger person. All distress and trouble fades away as we merge to a family unit and enioy each other.

At the beginning of our trip it was all just a test. We had just a little experience in cycle touring and no idea of what we would get involved into. It still sounds a little like an idea developed after a couple of beers: "We make a bicycle trip from Alaska to Tierra del Fuego with our baby". After one year the idea in mind has become a life. It is possible and still a little bit unbelievable what we do. Riding your bike throughout the countries definitely is a very intense and interesting way to travel. We are close to the people and, of course, that can not be avoided, always close to nature.

We have faced this year with several tricky situations. But whenever it looked as a gigantic thundercloud would just have decided to pour tons of water on our innocent minds, there was one of those moments: a helping hand, an open door, a plate of food. The solidarity of the people regardless of the country or the financial possibilities and requires no in-depth knowledge of foreign languages. Just a few days ago, we have been given  so much food (fruits and vegetables) throughout the day that it was enough for a whole day (unfortunatly we just stocked up on food and so we got even more heavier).

Ronja has now spent more than half her life as a cycling nomad. She has learned to walk on the trip, got all of her teeth, has picked out the easiest sounding words of three languages and built up her own language with that, she was toddling through forests and deserts, has learned to adjust immediately to often changing environment and playmates, bathed in cold mountain rivers and has gone through everything else what we did ourselfs; she seems to be a really happy little princess.


Now we are in Panama City and recover from tough 2 months on the road. We treated ourselves with only five days of rest and arrived starving and burnt out again. Panama is probably for any panamerican-traveller the natural end or hub to either north or south America. It is the bridge between the Americas, and no matter where the route is goinig to take you in the continents, if you pass Panama there is only one way: the Pan-American Highway. In the last 2 weeks we met many cyclists and other travel folks along the road. Here our paths cross and with pricked ears and sparkling eyes we listened to stories from South America.

The North of Panama is very pretty and since the Panamericana winds itself through a shallow mountain range, interspersed with steep slopes, there is much for the eye to see and a lot of work for the legs. The people who live in these mountains of Chiriqui province, are to a large extent indigenous People, the descendants of the original inhabitants of Panama. The women are dressed in brightly colored, long dresses and the panamanian handcrafts comes almost exclusively from this region. We enjoyed some cool nights in the mountains and in the morning when the mist still clung to the sides of the mountains, we cycled through a mystical world. In this sparsely populated region, there are unfortunately only a few fire stations and therefore we resorted back to an almost forgotten alternative: the house of god. The infrastructure of the catholic church is simply unbeatable. Whether you believe it or not, the church door is open to all who seek protection and shelter.

After the mountains came the disillusionment. Here the Panam' becomes a four-lane highway and the traffic is increasing with decreasing distance to Panama City. The places we passed were little striking, but more and more U.S.-influenced. sMall and Mc. Donalds and Co. strung along the thoroughfare, and in most of the places we had not seen more than that.
Overall, the last 250km between Santiago and Panama City were just a diligent but routine piece of work. But this section is to be remembered anyways, Ronja managed this week to stay dry during day time. The little lady is now become indipendent and she is proud of it. And so are we. Gregor is looking forward for more space his panneris and our travel budget is spared a bit more.

And then we finally arrived, facing the steel colossus of the 1 mile 'puente de las americas' (Bridge of the Americas), and a whole continent was laying behind us. Actually, it is only a bridge, but to stand in front of the building that spans over the Panama Canal and its high symbolism, was a very special moment of our trip. Geographically, it probably makes no sense to see the channel as the boundary between North and South America. For us and for many others before us, however, the journey ends here in one part of America and everything that comes after that is just South America. Only very few hardened travelers defeated the "obstruction of Darien" (Darien Gap), a protected rainforest and retreat area of Colombian guerrilla groups. The Pan-American Highway ends and so there is a lack of 110km road between Colombia and Panama. Therefore, most cyclists take a six-day sailing trip from Panama and continue their journey in Cartagena (Colombia) away. We opted for the cheaper and less vomiting like variant: we fly.

So we are now at the end of the first part of our trip. We relax in the hostel Aleman and spend the last days with our friends from Canada (Grand Forks) Randy and Cheryl and exchange memories from the last months. We just had a look at our photos from Alaska. Is that really us in these pictures? Have we really been to Alaska?

This is our new video of Central America: https://vimeo.com/66556478
(more new pictures on picasa)

One year with the bikes on the road between Anchorage and Panama City in facts and figures:



In our small log we have not only the miles, hours, and plates added daily. There we find such entries about how we slept and how the weather was on one of those days:




Kommentare:

  1. Hallo
    Gratulation zur tollen Leistung, absolut der Wahnsinn!!!
    Gruss aus Texas von Marco (getroffen am Strassenrand in Belize mit Familie und Wohnmobil)

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  2. Liebe Bravehearts, ich bin tief bewegt von Eurer Reise alleine durch Eure Wegbeschreibungen. Macht weiter so, es ist alles gut. Dicken Drücker aus Berlin.

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